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Planung und Bau des Radschnellwegs KA-RA (RS13) geht in die nächste Runde

Geht’s noch – oder die Frage:
Wie beratungsresistent ist das Regierungspräsidium?

Planung und Bau des Radschnellwegs geht in die nächste Runde

Zwischen Rastatt und Karlsruhe soll ein Radschnellweg gebaut werden. Seit Jahren wird eine optimale Trasse gesucht, für die weiteren Planungen auserkoren wurde jetzt eine sogenannte “Ortsrandtrasse” (auf dem Bild gelb markiert).

Die verschiedenen Planungsvarianten des RS13 von KA nach RA in der Übersicht
Quelle: Regierungspräsidium Karlsruhe

In einer ersten Studie, der sogenannten Machbarkeitsstudie, war zunächst eine Trasse quer durch die Ortschaften als “ideal” auserkoren (die rote Linie) worden, die Anforderungen an einen Radschnellweg wurden weitgehend ignoriert, bzw. waren nicht umsetzbar. Viele Kreuzungen, viele rechtwinkelige Kurven, Engpässe, teilweise ging es durch eng bebaute Wohngebiete mit vielen parkenden Autos am Straßenrand oder auch mal durch ein Naturschutzgebiet (Ötigheimer Wald).
Kommentar damals: Das ist alles, nur nicht nicht schnell. Das Geld kann gespart werden.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) brachte dann eine eigene Variante ins Spiel (blau), die den großen Charme hat, dass eine weitgehend schon vorhandene Trasse entlang der Bahn-Neubaustrecke verwendet werden könnte. Statt über diverse Land- und Kreisstraßen, könnte man unter diesen Straßen hindurch fahren. Die Strecke ist auf vielen Kilometern schnurgerade und könnte damit nicht nur schneller und sicherer befahren werden, sie würde die Entfernung zwischen Karlsruhe und Rastatt auch für Radfahrer verkürzen. Doch was bei Autostraßen und Bahngleisen “normal” ist, scheint beim Fahrrad kein Kriterium zu sein. Die Trasse würde wenige hundert Meter an den heutigen (!) Ortsrändern von Ötigheim, Bietigheim und Durmersheim vorbei führen. Am weitesten in  Ötigheim, nur noch marginal in Durmersheim.

Alle drei genannten Gemeinden planen jedoch neue Wohn- und Gewerbegebiete im Osten ihres derzeitigen Siedlungsgebiets. Teilweise werden diese schon umgesetzt.

In Bietigheim werden südöstlich des Bahnhofs aktuell knapp neun Hektar Bauland vorbereitet. Im Endausbau sind 23 Hektar im Neubaugebiet Birkig
geplant – auf einer Fläche, die dann bis zur neuen B36 reichen wird. So stand es bereits im September 2021 in den hiesigen Zeitungen.

Auszug aus dem Flächennutzungsplan
Quelle: Planungsunterlagen der Gemeinde Bietigheim für den ersten Bauabschnitt

Im Vergleich dazu die Radwegplanung des Regierungspräsidiums:

Trassenplanung RS13 bei Bietigheim
Quelle: Regierungspäsidium Karlsruhe

Äcker und Wiesen zwischen gelber und blauer Trasse werden Bauland.

Auch Ötigheim hat westlich der Bahn-Neubaustrecke noch Pläne. Straßenstummel, die noch im Nichts enden, zeigen bereits an wo es
weitergehen soll.

Trassenplanung RS13 bei Ötigheim
Quelle: Regierungspräsidium Karlsruhe

(spannend: die UV F-Variante schneidet laut Regierungspräsidium so gut ab, wie die gelbe Linie)

Kurzum: künftig werden die Ortsgrenzen in der Nähe der neuen B36 und der Schnellbahntrasse liegen.

Schlimmer noch: die vermeintliche Ortsrandtrasse geht in vielen Fällen mitten durch Areale hindurch, die schon heute mit Schwerlastverkehr stark belastet sind. Schwerlastverkehr und Radfahrer auf einer Straße? Da sollten doch alle Alarmglocken klingeln!

Und dieser Schwerlastverkehr dürfte überall noch deutlich zunehmen. In Durmersheim geht die “Ortsrandtrasse” durch das Gewerbegebiet Malscher Straße, dann irgendwo im Bereich der Zufahrt zur B36 über die L608 (Malscher Straße) hinweg, vorbei am ehemaligen Moser-Areal, wo Speditionen angesiedelt sind und noch werden, denen bis zu 1.200 LKWFahrten pro Tag erlaubt sein werden. Anschließend mitten durch das Kieswerk hindurch und weiter auf oder neben einer Industriestraße bis zur künftigen Unterführung bei der Hardtsporthalle.

Trassenplanung RS13 bei Durmersheim
Quelle: Regierungspräsidium Karlsruhe

Quelle: Regierungspräsidium Karlsruhe

Die ADFC-Trasse (blau) liegt in diesen Bereichen gerade mal 100 Meter östlich. Der besondere Clou in Durmersheim: die Bahnübergänge Ettlinger Straße und Obere Bahnhofstraße werden in absehbarer Zeit ersatzlos verschwinden. Lediglich am Bahnhof wird eine Fußgängerunterführung gebaut, als Zugang zum Bahnsteig in der Mitte. Fahrradfahrer müssen, wenn sie hier auf die andere Seite kommen wollen, absteigen und schieben. Auf der rund 1,5 Kilometer langen Strecke zwischen Malscher Straße und Triftstraße wird es also für Fahrradfahrer dann keine vernünftige Möglichkeit mehr geben, um auf den Radschnellweg zu gelangen. Welcher Vorteil bleibt da noch für diese “Ortsrandtrasse”, die in Wirklichkeit eine “Durch-Gewerbe-und Industriegebiets-Trasse” ist?

Im Regierungspräsidium Karlsruhe, beziehungsweise dem beauftragten Planungsbüro, scheint dies aber noch nicht angekommen zu sein. Wie sonst kann man diese Trasse allen Ernstes als “Ortsrandlage” bezeichnen? Diese Planung ist und bleibt ein Trauerspiel und passt damit vorzüglich zur aktuellen Verkehrspolitik in Deutschland. Statt umweltfreundlichen Verkehr zu fördern und den CO2-Ausstoß zu verringern, wird Fahrradfahrenden weiterhin das Leben schwer gemacht. Um die Absurdität dieser Planung zu begreifen, stelle man sich einfach mal vor, die B36 neu wäre auf der gelben Trasse verwirklicht worden. Durch Gewerbegebiete hindurch, mit Kreuzungen und reichlich rechtwinkeligen Kurven.

Sicherlich, auch die ADFC-Trasse hat ihre Schwächen, das betrifft aber vor allem den nördlichen Teil des Planungsgebiets, also den Bereich Rheinstetten. Dort plant das Regierungspräsidium eine Trasse in weitgehend “echter” Ortsrandlage, so wie es von Rheinstetten selbst auch gewünscht wird. Doch auch dort wird es spannend, wie Anwohnerinnen und Anwohner reagieren werden, wenn die Parkplätze vor ihren Grundstücken verschwinden.

Im Bereich der Gemeinden  Ötigheim, Bietigheim, Durmersheim haben sich die jeweiligen Gemeinderäte klar für die ADFC-Trasse ausgesprochen. Wieso wird dies ignoriert?

Es bleibt dabei: entweder man muss den Radschnellweg richtig planen oder die Sache beenden, ehe noch mehr Zeit, Geld und Nerven für untaugliche Lösungen verschwendet werden.

Zur Klarstellung: Wir begrüßen ausdrücklich das Vorhaben des Landesverkehrsministeriums, in Baden-Württemberg den Radverkehr mit dem Bau von Radschnellwegen zu fördern. Kritisiert wird, dass bei der Planung des Radschnellwegs zwischen Rastatt und Karlsruhe durch das Regierungspräsidium Karlsruhe, die Vorgaben (sichere Befahrbarkeit auch bei hohen Geschwindigkeiten, geringe Zeitverluste durch Anhalten und Warten sowie direkte, umwegfreie Linienführung) nur mangelhaft umgesetzt werden.


Hinweis: dieser Artikel ist zuerst beim Grünen Ortsverband Südhardt erschienen. Die BuG Durmersheim und der Grüne OV Südhardt ziehen hier an einem Strang.


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